Grenzgeschichten


#1

@Kitty zei in de Vorstellungsrunde van @karl dat ze regio’s en plekken fascinerend vindt waar grenzen samenkomen of misschien ook tegen elkaar botsen.

Das geht mir schon seit längerem auch so, z.B. in Berlin, als die Mauer noch stand (auch wenn das eine künstliche und un-menschliche Grenze war) und auch, nachdem sie verschwunden war, aber besonders auch in Aachen und Umgebung, wo am Drielandenpunt drei (bis zum Ersten Weltkrieg sogar vier) Staaten aufeinandertreffen bzw. -trafen.

Die Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland hat sich mit der EU und dem Wegfallen der Kontrollen sehr verändert, man bemerkt sie fast nur noch am Straßenbelag oder den etwas unterschiedlichen Verkehrsschildern und Tempolimits.
An der Nieuwstraat in Herzogenrath/Kerkrade sah das noch vor wenigen Jahrzehnten ganz anders aus. Hier ist ein altes niederländisches Video dazu:


#2

Besonders kurios war die Situation auch in Dinxperlo in Gelderland, dieses Dorf bildet mit dem deutschen Dorf Suderwick quasi eine Einheit und die Grenze verläuft mittendurch. Auf dem Hellweg/Heelweg und dem Anholtseweg/Brückendeich gehört der Bürgersteig noch zu Deutschland, aber die Fahrbahn schon zu den Niederlanden. Gelbe Kreuze auf dem Boden markieren die Grenze. Dort gibt es übrigens auch ein Grenzmuseum, das ich erst kürzlich besucht habe und auf jeden Fall empfehlen kann. Als die Grenze noch geschlossen war, wurde dort viel geschmuggelt.

Aber noch viel ungewöhnlicher und extremer geht es in Baarle-Nassau bzw. Baarle-Hertog in Nordbrabant zu. Der Ort liegt in der Nähe der belgischen Grenze, aber es gibt einige belgische Exklaven mitten im Ort und die Grenzen gehen mitten durch Straßen und Häuser. Und innerhalb der belgischen Exklaven gibt es wiederum niederländische Enklaven. Geht man durch den Ort, ist man mal in den Niederlanden, dann in Belgien und dann wieder in den Niederlanden. Auch hier gibt es die gelben Kreuze, die die Grenzen markieren. Das Motto des Ortes ist Samen zijn we Baarle. Man muss sich das Ganze einmal auf der Karte anschauen, so eine verrückte Grenzsituation gibt es wohl kaum irgendwo.


#3

Heilige Mutter Anna, was für ein Durcheinander!


#4

Bis vor kurzem war mir nicht bekannt, dass die Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden im Ersten Weltkrieg mit einer schrecklichen und anscheinend typisch deutschen Effizienz abgeriegelt worden ist, um Desertion, Schmuggel und Flucht in die neutralen Niederlande zu verhindern. Es wurde ein Hochspannungszaun gebaut, der von Aachen bis zur Nordsee verlief und in den Niederlanden typisch pragmatisch als dodendraad, auf Amtsdeutsch nicht weniger typisch als “Grenzhochspannungshindernis” (würg!) bezeichnet wurde. In der Nähe von Sippenaeken und an einigen anderen Orten gibt es Gedenksteine und Erinnerungen daran. In Deutschland scheint dieses grauenhafte Detail des Ersten Weltkrieges weitgehend unbekannt zu sein. Mir war zumindest bis vor einigen Monaten nicht bekannt, dass der erste “Todesstreifen” aus deutscher Produktion nicht etwa zwischen den beiden deutschen Staaten im Kalten Krieg, sondern schon im Ersten Weltkrieg zwischen Belgien und den Niederlanden realisiert wurde…


#5

Habe leider vergessen wo es war, aber ich habe im TV mal eine Doku über ein Seniorenheim gesehen welches zwei Eingänge hatte, einer drüben und einer hier, durch diesen “Trick” konnten dort ohne bürokratischen Hürden Menschen beider Nationalitäten ohne Probleme ihren Ruhestand verleben und profitieren beiderseits durch die Internationalität des Hauses.

edit:
Es ist in den von schon von Johannes genannten Dinxperlo:


#6

Das war mir auch unbekannt.


#7

Hier können Bewohner des Seniorenheims die “deutsch-niederländische Grenze” passieren :grin:

Dinxperlo/Suderwick macht Spaß!:slight_smile:


#8

Auf der Grenze zwischen Österreich und Italien (bzw. Südtirol), in der Nähe vom Brennerpas ligt die Europahütte auf fast 2700 m Höhe. Die Besonderheit an diese Hütte ist, das die Grenze mitten durch den Speisesaal verläuft. Da kann man also zwischen Suppe und Hauptspeise schnell das Land wechseln. :smiley:


#9

Das gibt es auch an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, genauer gesagt auf dem Berg “Ederkanzel” in Mittenwald. Das Haus der Berggaststätte liegt in Deutschland, der Biergarten in Österreich.
Der immer noch vorhandene Grenzstein steht direkt vor dem Haus.


#10

In meinem Blog habe ich nun einen Beitrag über Dinxperlo veröffentlicht, mit vielen Bildern.


#11

Die Niederlande und Belgien zeigen sich pragmatisch und kompromissbereit und korrigieren ihre Grenze an der Maas zum neuen Jahr:


#12

Neulich war ich einmal an der Grenze zwischen Kerkrade und Herzogenrath, aber diese ist total unspektakulär. Im Gegensatz zu Dinxperlo und Suderwick, wo die Grenze regelrecht zelebriert wird und zahlreiche Denkmäler oder Tafeln auf die Grenzgeschichte hinweisen, gibt es in Kerkrade nichts derartiges, die Grenze ist regelrecht unsichtbar. Eine Seite der Straße gehört zu den Niederlanden, die andere zu Deutschland, keine Willkommenschilder, keine Grenzkreuze auf der Straße, nichts.


#13

Ja, inzwischen ist das hier so. Kerkrade und Herzogenrath zelebrieren eher das gemeinsame symbolische Projekt „Eurode“
( https://de.m.wikipedia.org/wiki/Eurode )
und damit die Tatsache, dass die Grenze quasi unsichtbar geworden ist. Dass das nicht immer so war, zeigt das Video im Eröffnungsbeitrag für diesen Thread.